Published On: 10.09.2024

Um Freunde und Familie zu unterstützen und zu pflegen, benötigen Sie Kraft, Ruhe und Zeit. Sie können ihren Liebsten nur das geben, was sie selbst besitzen, aber das gerät leicht in Vergessenheit. Durch Selbstfürsorge können Sie bestehenden Stress bewältigen, neuen Stress vorbeugen und langfristig Ihre körperliche und geistige Gesundheit erhalten. Indem Sie regelmäßige Selbstfürsorge in Ihren Alltag integrieren, laden Sie Ihre Energiereserven wieder auf. Sich gut um sich selbst zu kümmern, stärkt zudem Ihr Selbstbewusstsein, da es das Gefühl vermittelt, das eigene Leben im Griff zu haben.

Die Belastung der Pflege verstehen

Die Pflege eines Angehörigen kann körperlich sehr anstrengend sein, da Aufgaben wie Heben, Umlagern und Stützen des Pflegebedürftigen den Körper stark beanspruchen. Eine Studie aus dem Jahr 2018 ergab, dass über 40 % der pflegenden Angehörigen über Rücken- und Gelenkschmerzen berichteten. Zudem gaben mehr als 20 % der Befragten an, dass sich ihre Pflegeaufgaben häufig oder immer negativ auf ihre körperliche Gesundheit auswirken.

Pflege kann auch eine erhebliche psychische Belastung darstellen, die oft mit Gefühlen von Scham, Traurigkeit, Stress, sozialer Isolation und Hilflosigkeit einhergeht. Mehr als die Hälfte der befragten Pflegepersonen zeigten in ihrer Selbsteinschätzung Anzeichen von Depressionen.

Tipps zur Selbstfürsorge als Pflegeperson

1.      Zeitmanagement verbessern

Ein effektives Zeitmanagement ist entscheidend. Planen Sie feste Zeitfenster für sich selbst ein, genauso wie Sie Pflegeaufgaben einplanen. Nutzen Sie Kalender oder Apps, um Ihre Zeit strukturierter zu gestalten.

2.      Bewusste Pausen einlegen

Erlauben Sie sich regelmäßig Ruhe und Entspannung im Alltag. Mit Meditation oder Entspannungsübungen können Sie Stress abbauen und neue Energie tanken.

3.      Unterstützung annehmen

Zögern Sie nicht, Hilfe von Familie, Freunden oder professionellen Pflegediensten in Anspruch zu nehmen. Auch lokale Selbsthilfegruppen bieten wertvolle Unterstützung und Entlastung.

4.      Freiräume schaffen

Integrieren Sie persönliche Freiräume fest in Ihren Alltag. Diese Zeit sollte nur Ihnen gehören, und Sie können tun, was Ihnen Freude bereitet. Schon 15 bis 30 Minuten täglich können einen großen Unterschied machen.

5.      Prioritäten setzen

Lernen Sie, Aufgaben zu priorisieren. Nicht alles muss sofort erledigt werden. Fokussieren Sie sich auf das, was wirklich wichtig ist, und scheuen Sie sich nicht, auch mal Nein zu sagen.

6.     Gesundheit pflegen

Ihre eigene Gesundheit sollte stets im Vordergrund stehen. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf sind essenziell, um langfristig den Herausforderungen der Pflege gewachsen zu sein.

7.      Mentale Pausen einplanen

Nehmen Sie sich täglich Zeit für Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten und Sie entspannen, wie Lesen, Spazierengehen oder Meditation. Solche kurzen mentalen Auszeiten sind sehr hilfreich bei der Stressbewältigung.

Die Wichtigkeit der Selbstfürsorge für Pflegende

Selbstmitgefühl ist essentiell für die Selbstfürsorge.

Freundlich zu sich selbst zu sein, bildet die Grundlage für Selbstpflege. Selbstmitgefühl bedeutet, sich für die anspruchsvolle und komplexe Arbeit der Pflege Anerkennung zu schenken, sich von der selbstkritischen, strengen inneren Stimme zu distanzieren und sich Zeit zu gönnen – auch wenn es nur ein paar Minuten am Tag sind – um für sich selbst zu sorgen.

Mangel an Zeit oder Energie kann es besonders herausfordernd machen, diese Auszeiten zu bekommen. Sie könnten sich sogar schuldig oder egoistisch fühlen, wenn Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse achten. Was Sie wissen sollten, ist Folgendes: Tatsächlich ermöglicht Selbstpflege dem Pflegeperson, ausgeglichener, fokussierter und effektiver zu bleiben, was allen Beteiligten zugutekommt.

Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und einen guten Schlaf.

Es ist leicht, die eigenen Mahlzeiten und Bedürfnisse zu vergessen, wenn man versucht, anderen zu helfen. Eine angemessene Schlaf- und Nahrungsaufnahme ist entscheidend, um ein Burnout bei Pflegepersonen zu verhindern. Etablieren Sie eine tägliche zehnminütige Abendroutine, um besseren Schlaf zu erreichen. Ihre Abendroutine kann Atemübungen, Meditation oder Yoga-Posen umfassen. Das Auslassen von Mahlzeiten kann zu Reizbarkeit und Erschöpfung führen, daher ist es wichtig, regelmäßige Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.

Ernährung kann ebenfalls ein wichtiger Faktor zur Vermeidung von Burnout sein. Chronischer Stress wurde mit einer erhöhten Entzündung im Körper in Verbindung gebracht, daher ist es hilfreich, verarbeitete Lebensmittel oder solche mit raffinierten Zuckern zu vermeiden, da diese Entzündungen im Körper erhöhen. Vermeiden oder reduzieren Sie Alkohol, da dieser sowohl die Entzündungen im Körper erhöht als auch die Schlafqualität stört.

Wo können Sie Unterstützung finden?

Erfahrungen mit anderen pflegenden Angehörigen teilen

Es kann erleichternd sein, sich verstanden zu fühlen, aber viele Menschen ohne Pflegeerfahrung haben keinen Bezug zu den Herausforderungen, die Pflegende erleben. Andere, die sich ebenfalls um ihre Angehörigen kümmern, machen jedoch oft ähnliche Erfahrungen. Sie können Ihre Sorgen, Probleme und Gefühle nachvollziehen. Menschen mit ähnlichen Erlebnissen finden Sie in Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige.

Eine deutschlandweite Datenbank für Selbsthilfegruppen und Gruppen für pflegende Angehörige bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Tagebuch führen und Online-Beratung – Entlastung durch Schreiben

Es kann manchmal hilfreich sein, belastende Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. So können Sie Ihre Gedanken ordnen, Abstand zu Erlebtem gewinnen und Ihre Gefühle verarbeiten. Wenn Sie online Rat für Pflegende suchen, können Sie erfahrene Psycholog*innen kontaktieren, um Antworten auf Ihre Fragen zu erhalten.

Überlegen Sie, ob Psychotherapie helfen könnte?

Fragen Sie Ihren Hausarzt zu diesem Thema oder besuchen Sie die Website „Wege zur Psychotherapie“ der Bundespsychotherapeutenkammer, um herauszufinden, ob diese Behandlung für Sie infrage kommt. Über die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung können Sie direkt nach Psychotherapeut*innen in Ihrer Nähe suchen und Kontakt aufnehmen. Eine Überweisung ist nicht erforderlich.

Was kann verhindern, dass sich körperliche Symptome entwickeln?

Wissen und Fähigkeiten

Viele Familienpfleger müssen über Nacht lernen, wie man einen geliebten Menschen aus einem Rollstuhl ins Bett oder ins Auto hebt. Intuitives Vorgehen kann eine Weile funktionieren, aber ohne spezifische Techniken und Hebemethoden riskieren Pflegepersonen langfristige körperliche Probleme wie Schmerzen oder Rückenbeschwerden.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer gesetzlichen oder privaten Kranken- oder Pflegeversicherung, wo Sie Schulungen oder Kurse zu relevanten Themen finden können.

Hilfsmittel und Ausrüstung

Es gibt Hilfsmittel und Ausrüstungen, die das Heben, Drehen oder Unterstützen von Pflegebedürftigen erleichtern. Dazu gehören Drehplatten, Umpositionierung Helfer, Rutschmatten und Rutschbretter. Automatische Hebevorrichtungen können das Umpositionieren und Heben für Sie übernehmen. Weitere praktische Unterstützung bieten beispielsweise Rollatoren und spezielles Besteck. Wichtig ist, im Vorfeld mit den Pflegebedürftigen über die Nutzung der Hilfsmittel zu sprechen.

Fazit

Die Pflege eines Angehörigen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die sowohl körperlich als auch psychisch stark belasten kann. Um langfristig gesund und effektiv zu bleiben, ist es essentiell, auch für sich selbst zu sorgen. Selbstfürsorge hilft nicht nur dabei, bestehenden Stress zu bewältigen, sondern auch, neuen Stress vorzubeugen und die eigene körperliche sowie geistige Gesundheit zu erhalten. Regelmäßige Pausen, ein effektives Zeitmanagement und die Inanspruchnahme von Unterstützung sind Schlüsselstrategien für Pflegepersonen.

Wissen und Fähigkeiten, etwa durch gezielte Schulungen, sind wichtig, um körperliche Belastungen zu minimieren und langfristige Gesundheitsprobleme zu vermeiden. Hilfsmittel wie Drehplatten oder automatische Hebevorrichtungen können die körperliche Beanspruchung reduzieren und die Pflege erleichtern. Es ist entscheidend, diese Hilfsmittel richtig einzusetzen und mit den Pflegebedürftigen abzusprechen.

Letztendlich trägt eine gute Selbstfürsorge nicht nur zum eigenen Wohlbefinden bei, sondern auch zu einer besseren Pflegequalität. Indem Sie auf Ihre eigene Gesundheit achten und sich regelmäßig erholen, schaffen Sie eine solide Basis für die Unterstützung Ihrer Liebsten.

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