Published On: 03.10.2024

Die Pflege von Angehörigen zu Hause ist für viele Familien eine zentrale Aufgabe. Häufig übernehmen Angehörige diese Rolle aus Liebe und Verantwortung, um den Pflegebedürftigen in ihrer vertrauten Umgebung die bestmögliche Betreuung zu bieten. Doch die häusliche Pflege ist nicht immer leicht und kann mit der Zeit sowohl körperlich als auch emotional belastend werden.

Es gibt Situationen, in denen die Unterstützung durch professionelle Pflege notwendig wird, um die Qualität der Betreuung sicherzustellen und eine Überforderung der pflegenden Angehörigen zu vermeiden. Dieser Beitrag hat das Ziel, Ihnen die wichtigsten Anzeichen aufzuzeigen, die darauf hinweisen, dass es Zeit sein könnte, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. So können Sie rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, um die bestmögliche Pflege für Ihren Angehörigen sicherzustellen und gleichzeitig Ihre eigene Gesundheit zu schützen.

Physische Belastung

Die Pflege eines Angehörigen zu Hause kann eine immense physische Belastung darstellen, insbesondere wenn der Pflegebedürftige aufgrund seines Gesundheitszustands nur eingeschränkt mobil ist. Tätigkeiten wie das Heben, Umlagern oder Unterstützen beim Gehen erfordern viel Kraft und Geschick. Diese Aufgaben werden oft über längere Zeiträume hinweg ausgeführt, was zu einer schleichenden Überforderung führen kann.

Mögliche Anzeichen einer Überlastung bei pflegenden Angehörigen sind Rückenschmerzen, die durch häufiges Heben schwerer Lasten entstehen, sowie allgemeine körperliche Erschöpfung, die sich in chronischer Müdigkeit oder Energiemangel äußert. Auch Schlafmangel ist ein häufiges Problem, wenn die Pflege die nächtliche Ruhe beeinträchtigt. Pflegende müssen möglicherweise mehrmals in der Nacht aufstehen, um dem Pflegebedürftigen zu helfen, was auf Dauer zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann.

Professionelle Pflegekräfte verfügen über spezielle Schulungen, die es ihnen ermöglichen, schwere körperliche Tätigkeiten sicher und effizient auszuführen. Sie sind geschult im Umgang mit Hilfsmitteln wie Hebeliftern oder Rollstühlen und wissen, wie sie den Pflegebedürftigen schonend und rückenschonend umlagern. Wenn Sie sich zunehmend körperlich überfordert fühlen, kann es sinnvoll sein, professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen, um Ihre eigene Gesundheit zu schonen.

Emotionale und psychische Erschöpfung

Neben den physischen Anforderungen stellt die Pflege eines Angehörigen oft auch eine erhebliche emotionale und psychische Herausforderung dar. Pflegende erleben nicht selten einen ständigen inneren Druck, allen Aufgaben gerecht zu werden, und stehen häufig vor der schwierigen Balance zwischen der Fürsorge für den Pflegebedürftigen und den eigenen Bedürfnissen. Diese Situation kann emotional sehr belastend sein, insbesondere wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen verschlechtert oder zusätzliche Pflegebedürfnisse entstehen.

Zu den Anzeichen emotionaler Erschöpfung gehört häufige Reizbarkeit. Selbst kleine Herausforderungen können übermäßig frustrierend wirken, und es fällt zunehmend schwer, ruhig und geduldig zu bleiben. Ständige Sorgen um den Zustand des Pflegebedürftigen und das Gefühl, nie genug zu tun oder Fehler zu machen, können das emotionale Gleichgewicht ebenfalls belasten. Häufig führt dies dazu, dass sich Pflegende sozial zurückziehen, weil sie sich erschöpft fühlen oder keine Zeit und Energie für soziale Kontakte übrig bleibt.

Wenn Sie Anzeichen solcher emotionaler Erschöpfung oder sogar Anzeichen von Burnout bei Pflegekräften bei sich feststellen, ist es wichtig, sich professionelle Pflege oder Entlastungspflege zu suchen, bevor Ihre psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigt wird. Professionelle Pflegekräfte können nicht nur praktische Unterstützung bieten, sondern Ihnen auch Freiräume verschaffen, um sich von den Belastungen der Pflege zu erholen.

Medizinische Notwendigkeiten

Es gibt Situationen in der häuslichen Pflege, in denen einfache Unterstützung im Alltag nicht mehr ausreicht und spezielle medizinische Kenntnisse erforderlich sind. Dies ist besonders der Fall, wenn der Pflegebedürftige nach einer Operation oder einer schweren Erkrankung besondere Pflege benötigt. Dazu gehört unter anderem die Verabreichung von Medikamenten, die Überwachung von Vitalwerten oder die Wundversorgung. Auch bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzinsuffizienz oder Demenz können medizinische Anforderungen auftreten, die über das hinausgehen, was Laien ohne entsprechende Ausbildung leisten können.

Professionelle Pflegekräfte sind darauf spezialisiert, solche komplexen Aufgaben zu übernehmen. Sie verfügen über die nötigen Fachkenntnisse und können lebensbedrohliche Situationen frühzeitig erkennen und darauf reagieren. Wenn die Pflege also spezielle medizinische Eingriffe oder kontinuierliche Überwachung erfordert, ist es ratsam, sich professionelle Unterstützung zu sichern.

Anzeichen von Pflegebedürftigkeit, die professionelle Hilfe erfordern

Es gibt klare Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Pflegebedürftiger mehr Unterstützung benötigt, als Sie alleine leisten können. Eines der häufigsten Anzeichen ist die Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands. Wenn sich der Pflegebedürftige körperlich oder geistig stark verändert, sei es durch zunehmende Schwäche, unerklärlichen Gewichtsverlust oder die Unfähigkeit, alltägliche Aufgaben selbstständig zu erledigen, ist es möglicherweise an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein weiteres wichtiges Warnsignal ist die zunehmende Verwirrtheit oder Desorientierung. Dies kann sich durch das Vergessen einfacher Dinge, Orientierungsprobleme in der eigenen Wohnung oder das Nicht-Erkennen vertrauter Personen äußern. Solche Anzeichen deuten darauf hin, dass der Pflegebedürftige rund um die Uhr überwacht werden muss, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Professionelle Pflegekräfte sind darauf trainiert, in diesen Situationen adäquat zu reagieren und die notwendige Betreuung zu bieten.

Häufige Stürze sind ebenfalls ein Zeichen dafür, dass der Pflegebedürftige eine intensivere Betreuung benötigt. Stürze können schwerwiegende Verletzungen zur Folge haben und sind oft ein Hinweis auf körperliche Instabilität oder gesundheitliche Probleme, die eine umfassendere Pflege erfordern. Wenn Stürze häufiger vorkommen, kann es ratsam sein, eine professionelle Pflegekraft oder einen Pflegedienst hinzuzuziehen, um das Risiko weiterer Unfälle zu minimieren und den Pflegebedürftigen bestmöglich zu unterstützen.

In all diesen Fällen ist es von entscheidender Bedeutung, frühzeitig zu reagieren und professionelle Hilfe zu organisieren. Auf diese Weise können Sie nicht nur die Sicherheit und das Wohlbefinden des Pflegebedürftigen gewährleisten, sondern auch Ihre eigene Belastung reduzieren und sicherstellen, dass die Pflege den höchsten Standards entspricht.

Vorteile professioneller Pflege

Die Inanspruchnahme professioneller Pflege bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die sowohl den Pflegebedürftigen als auch deren Familien zugutekommen. Einer der größten Vorteile ist die Erleichterung der täglichen Pflegeaufgaben. Professionelle Pflegekräfte übernehmen Aufgaben wie Körperpflege, Unterstützung beim An- und Auskleiden, Mobilisation und die Verabreichung von Medikamenten, wodurch Sie als pflegende Angehörige entlastet werden. Dies ermöglicht es Ihnen, sich auf andere wichtige Aufgaben und Verpflichtungen zu konzentrieren, sei es innerhalb der Familie, im Beruf oder auch in der eigenen Selbstfürsorge.

Darüber hinaus trägt professionelle Unterstützung erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität des Pflegebedürftigen bei. Professionelle Pflegekräfte bringen nicht nur fachliches Wissen mit, sondern auch Erfahrung im Umgang mit individuellen Bedürfnissen und gesundheitlichen Herausforderungen. Sie können eine maßgeschneiderte Pflege anbieten, die den Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen stabilisiert oder verbessert und somit sein Wohlbefinden steigert. Auch für die Familie bedeutet dies eine emotionale Entlastung, da die Pflege in erfahrenen Händen liegt und das Vertrauen in eine fachgerechte Betreuung wächst.

Es gibt verschiedene Formen der professionellen Unterstützung, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden können. Pflegedienste bieten stundenweise Unterstützung zu Hause und übernehmen spezifische Aufgaben im Alltag. Für intensivere Betreuung kann eine 24-Stunden-Pflege in Betracht gezogen werden, bei der eine Pflegekraft rund um die Uhr zur Verfügung steht. Auch Tagespflegeeinrichtungen bieten eine wertvolle Alternative, bei der der Pflegebedürftige tagsüber professionell betreut wird, während Sie sich um andere Verpflichtungen kümmern können.

Unabhängig davon, welche Form der professionellen Pflege gewählt wird, sie trägt dazu bei, die Last der Pflege zu teilen und sicherzustellen, dass der Pflegebedürftige die bestmögliche Betreuung erhält, während Sie Ihre eigenen Kräfte schonen.

Schlussfolgerung

Abschließend ist es von zentraler Bedeutung, die Herausforderungen der häuslichen Pflege realistisch zu betrachten. Die körperliche Belastung, emotionale Erschöpfung und medizinische Anforderungen können auf Dauer zu einer Überforderung führen. Wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen verschlechtert, Anzeichen von Verwirrtheit auftreten oder die Pflege zunehmend komplexe medizinische Kenntnisse erfordert, ist es ratsam, professionelle Unterstützung in Erwägung zu ziehen.

Es ist wichtig, Ihre eigene Belastungsgrenze und die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen sorgfältig abzuwägen. Indem Sie frühzeitig professionelle Hilfe organisieren, können Sie nicht nur Ihre eigene Gesundheit schützen, sondern auch die Pflegequalität für Ihren Angehörigen sicherstellen. Die Entscheidung, externe Unterstützung hinzuzuziehen, ist ein Zeichen von Verantwortung und Fürsorge – sowohl für den Pflegebedürftigen als auch für sich selbst.

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