Published On: 06.09.2024

Ambulante Pflege wird wichtig, wenn Menschen aufgrund von Alter, Behinderung, Unfall oder Krankheit ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können und auf Unterstützung angewiesen sind. Oft sind Angehörige nicht in der Nähe oder können die notwendige Pflege nicht leisten. In solchen Fällen kommen ambulante Pflegedienste ins Spiel: Sie unterstützen Betroffene in ihrem Zuhause bei pflegerischen, medizinischen und hauswirtschaftlichen Aufgaben. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Leistungen zur ambulanten Pflege gehören, wie die Kosten der Pflegedienste aussehen und wie die Pflegeversicherung die Kostenübernahme regelt. Am Ende beantworten wir zudem häufig gestellte Fragen rund um das Thema ambulante Pflege.

Ambulante Pflege – Definition und warum es wichtig ist
  • Ambulante Pflege

Ambulante Pflege ist das Gegenstück zur stationären Pflege und findet nicht in einer Pflegeeinrichtung, sondern direkt im Zuhause der pflegebedürftigen Person statt. Menschen, die aufgrund von Alter, Behinderung oder Krankheit Unterstützung benötigen, werden in ihrem vertrauten Umfeld versorgt. Diese Pflegemaßnahmen werden entweder von einem professionellen Pflegedienst (einem privaten Unternehmen) oder von Mitarbeitenden von Sozialstationen, wie kirchlichen Einrichtungen, der Caritas oder anderen Wohlfahrtsverbänden durchgeführt. Im Gegensatz zur stationären Pflege gibt es hier keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch den Pflegedienst. Die Pflegekräfte kommen nur so oft wie nötig, um die erforderliche Unterstützung zu leisten. Daher wird ambulante Pflege auch oft als häusliche oder mobile Pflege bezeichnet.

Sie bietet mehrere Vorteile:

  1. Pflegebedürftige können in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und so ihre Selbstständigkeit länger erhalten.
  2. Sie erhalten professionelle pflegerische, medizinische und hauswirtschaftliche Unterstützung.
  3. Angehörige, die pflegen, werden entlastet und können Beruf und Familie besser mit den Pflegeaufgaben vereinbaren.
  • Warum es wichtig ist

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine klare Sprache: 2019 wünschten sich 80% aller Pflegebedürftigen nichts sehnlicher, als ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung zu verbringen. Durch die ambulante Pflege wird zudem der stationäre Pflegebereich entlastet und die Versorgung insgesamt flexibler und individueller gestaltet.

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Verschiedene Formen der ambulanten Pflege
  1. Ambulanter Pflegedienst

Der ambulante Pflegedienst, auch als häusliche Pflegedienstleistung bekannt, bildet häufig das Herzstück der ambulanten Pflege. Qualifizierte Fachkräfte kommen ins Haus, um pflegebedürftigen Menschen bei alltäglichen Aufgaben zu helfen. Dazu gehören Unterstützung bei der Körperpflege, Hilfe im Haushalt oder die Begleitung zu Arztterminen.

  • Vorteile des ambulanten Pflegedienstes:
    • Die Vorteile sind zahlreich und können das Leben erheblich verändern! Häusliche Pflegedienste ermöglichen es den Menschen, weiterhin in ihrem vertrauten Zuhause zu bleiben und dort eine qualitativ hochwertige Betreuung zu erhalten. Sie bieten praktische Unterstützung und bewahren gleichzeitig ein hohes Maß an Autonomie und Selbstbestimmung.
  1. Tagespflege

Die Tagespflege ist eine weitere Form der ambulanten Pflege und wird oft als „Zwischenlösung“ betrachtet. Sie bietet tagsüber Betreuung und Förderung, während die Angehörigen arbeiten oder andere Verpflichtungen wahrnehmen. Am Abend und in der Nacht kehren die Pflegebedürftigen zu ihren Familien zurück.

  1. Nachtpflege

Im Gegensatz zur Tagespflege konzentriert sich die Nachtpflege auf die Nachtstunden, eine Zeit, in der viele Menschen besonders anfällig sind. Diese Pflegeform ist ideal für Personen, deren Angehörige nachts Entlastung brauchen, oder für Pflegebedürftige, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation eine durchgehende Betreuung benötigen.

  1. Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege, auch als „Respite Care“ bekannt, ist eine temporäre Pflegeform, die dazu dient, die regulären Pflegenden zu entlasten. Sie kann zum Einsatz kommen, wenn die Hauptpflegekraft beispielsweise in den Urlaub fährt oder selbst erkrankt ist.

  1. Betreutes Wohnen

Schließlich gibt es noch das betreute Wohnen, eine Form der ambulanten Pflege, die es pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, in ihrer eigenen Wohnung oder einer Einheit innerhalb eines größeren Wohnkomplexes zu leben. Hier erhalten sie Unterstützung bei täglichen Aufgaben und eine umfassende Betreuung, während sie ihre Unabhängigkeit in einer sicheren Umgebung bewahren.

Tipps zur Suche nach einem ambulanten Pflegedienst

Wenn ambulante Pflege benötigt wird, stellt sich oft die Frage, wie man den passenden Pflegedienst findet. Hier sind einige hilfreiche Tipps und Empfehlungen:

1.       Empfehlungen einholen: Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin nach Empfehlungen. Sie haben oft wertvolle Kontakte und Erfahrungen mit örtlichen Pflegediensten.

2.      Netzwerk nutzen: Bitten Sie Kollegen, Freunde oder Bekannte um Rat und Unterstützung bei der Suche. Persönliche Erfahrungen können sehr aufschlussreich sein.

3.     Webseiten von Wohlfahrtsverbänden prüfen: Schauen Sie sich die lokalen Webseiten von Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas oder dem Deutschen Roten Kreuz an. Diese Organisationen bieten oft umfassende Informationen und Listen von Pflegediensten.

4.      Preise vergleichen und Angebote einholen: Vergleichen Sie die Preise und holen Sie mehrere Angebote ein, um den besten Dienst für Ihre Bedürfnisse und Ihr Budget zu finden.

5.     Zulassung der Pflegekassen prüfen: Achten Sie darauf, dass der Pflegedienst von den Pflegekassen zugelassen ist. Nur dann werden die Kosten von der Pflegeversicherung übernommen.

In den meisten Städten gibt es eine Auswahl an Anbietern – von privaten Unternehmen bis hin zu kirchlichen oder sozialen Einrichtungen. Letztlich liegt die Entscheidung bei den Pflegebedürftigen selbst oder deren Angehörigen, je nach ihren individuellen Bedürfnissen und Vorlieben.

Wie wird ambulante Pflege finanziert?

Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst hängen vom Umfang und der Häufigkeit der erbrachten Leistungen ab. Ein Teil der Kosten wird von der Pflegeversicherung als Pflegesachleistung übernommen. Einige Leistungen werden auch direkt mit den Krankenkassen oder Sozialämtern abgerechnet. Alle darüberhinausgehenden Kosten müssen privat getragen werden.

Die Höhe der Pflegesachleistungen richtet sich nach dem Pflegegrad:
1.       Pflegegrad 2: bis zu 689 Euro pro Monat
2.      Pflegegrad 3: bis zu 1.298 Euro pro Monat
3.     Pflegegrad 4: bis zu 1.612 Euro pro Monat
4.      Pflegegrad 5: bis zu 1.995 Euro pro Monat

Wenn die Pflegesachleistungen nicht vollständig in Anspruch genommen werden, erhalten Pflegebedürftige anteilig Pflegegeld. Dieses Pflegegeld kann genutzt werden, um zusätzliche Hilfe durch Angehörige zu finanzieren.

Personen mit Pflegegrad 1 erhalten weder Pflegesachleistungen noch Pflegegeld für ambulante Pflege. Ihnen steht jedoch, wie allen anderen Pflegegraden, ein monatlicher Entlastungsbetrag von 125 Euro zur Verfügung. Dieser Betrag dient dazu, die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen zu fördern oder Angehörige zu entlasten, beispielsweise durch die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes. Allerdings dürfen Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 bis 5 diesen Betrag nur für pflegerische Betreuungsmaßnahmen und Unterstützung im Haushalt verwenden.

Faktoren der ambulanten Pflege

Die ambulante Pflege hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, was auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist:

  •  Technologische Fortschritte: Moderne Technologien wie Telemedizin und mobile Gesundheits-Apps ermöglichen es Pflegekräften, die Gesundheit ihrer Patienten aus der Ferne zu überwachen und besser mit ihnen sowie ihren Angehörigen zu kommunizieren. Diese Technologien erweitern die Möglichkeiten der ambulanten Pflege und steigern deren Effizienz erheblich.
  •  Präferenz für das häusliche Umfeld: Viele ältere Menschen und ihre Familien ziehen es vor, so lange wie möglich in ihrem vertrauten Zuhause zu bleiben. Ambulante Pflegedienste fördern diesen Wunsch, indem sie flexible und bedarfsgerechte Unterstützung direkt in der häuslichen Umgebung anbieten.
  • Kosteneffizienz: Ambulante Pflege ist oft günstiger als stationäre Pflege, da sie weniger Ressourcen erfordert und keine Kosten für den Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung entstehen. Dies macht sie zu einer attraktiven Option für viele Familien, die auf finanzielle Aspekte achten müssen.
Fazit zur ambulanten Pflege

Ambulante Pflege ermöglicht es Menschen, die aufgrund von Alter oder Krankheit Unterstützung benötigen, in ihrem eigenen Zuhause versorgt zu werden. Diese flexible Pflegeform umfasst Dienstleistungen wie Körperpflege und Haushaltsunterstützung, die von Fachkräften direkt vor Ort erbracht werden.

Sie bietet zahlreiche Vorteile: Pflegebedürftige bleiben in ihrer vertrauten Umgebung, erhalten professionelle Hilfe und entlasten ihre Angehörigen. Technologische Fortschritte, der Wunsch nach häuslicher Betreuung und Kosteneffizienz machen diese Pflegeform zunehmend attraktiv. Empfehlungen, Preisvergleiche und die Pflegeversicherung helfen bei der Auswahl und Finanzierung des passenden Pflegedienstes.

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