Published On: 04.09.2024

Manchmal tritt es plötzlich ein, manchmal kündigt es sich über Jahre hinweg an: Die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen. Selbst wenn die Situation sich lange abzeichnet, sind die wenigsten wirklich darauf vorbereitet. Lange Krankheiten, Behinderungen oder Alterserscheinungen belasten sowohl die Pflegebedürftigen als auch deren Angehörige. Sie stellen sich vielleicht Fragen wie: Wie kümmere ich mich am besten um sie? Was benötige ich für die Pflege? Welche finanzielle Unterstützung gibt es? In diesem Blog finden Sie Antworten und hilfreiche Informationen, die Ihnen auf diesem Weg zur Seite stehen.

Inhalte im Überblick

  • Was erwartet Sie, wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen?
  • Der richtige Umgang mit der Ernährung: So fördern Sie das Wohlbefinden
  • Bewegung in der Pflege: Wie Sie Ihren Angehörigen mobilisieren
  • Unterstützung bei der Körperpflege: So helfen Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen
  • Kommunikation in der Pflege: Wichtige Tipps für den Austausch während der Pflegezeiten

Was erwartet Sie, wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen?

In Deutschland sind über 4 Millionen Menschen pflegebedürftig, und vier von fünf dieser Personen werden zu Hause betreut – meistens ausschließlich durch Angehörige. Mit zunehmendem Alter nimmt die Pflegebedürftigkeit stark zu.  Im Dezember 2019 galten 4,1 Millionen Menschen in Deutschland als pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Die Mehrheit dieser Pflegebedürftigen, nämlich 80,2 Prozent oder 3,3 Millionen Personen, wurde zu Hause versorgt. Von diesen erhielten 2,1 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, was bedeutet, dass sie in der Regel ohne die Hilfe von ambulanten Pflegediensten allein durch Angehörige gepflegt wurden.

Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen, erwarten Sie viele Herausforderungen und neue Verantwortungen. Hier sind einige der wichtigsten Aspekte:

  • Zeitaufwand: Die Pflege eines Angehörigen erfordert viel Zeit und kann Ihren Alltag stark beeinflussen. Von der täglichen Körperpflege über die Medikamentengabe bis hin zu Arztbesuchen müssen viele Aufgaben organisiert und bewältigt werden.
  • Emotionale Belastung: Die Pflege eines geliebten Menschen kann emotional sehr anstrengend sein. Es ist wichtig, sich selbst Zeit für Erholung und Entlastung zu gönnen, um nicht auszubrennen.
  • Physische Anstrengung: Pflegetätigkeiten können körperlich herausfordernd sein. Das Heben, Umlagern und Unterstützen des Pflegebedürftigen kann Rückenprobleme und andere gesundheitliche Beschwerden verursachen.
  • Finanzielle Aspekte: Die Pflege eines Angehörigen kann auch finanzielle Belastungen mit sich bringen. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Neben dem Pflegegeld und anderen Sozialleistungen können auch Zahlungen von Unternehmen, bei denen Sie arbeiten, eine Entlastung bieten. Informieren Sie sich über alle verfügbaren Hilfen, um die finanzielle Belastung zu reduzieren.
  • Organisatorische Anforderungen: Sie müssen den Pflegealltag gut organisieren. Dazu gehören das Management von Terminen, die Beschaffung von Pflegehilfsmitteln und die Koordination mit Pflegediensten oder Therapeuten.
  • Kenntnisse und Fähigkeiten: Sie benötigen grundlegende Kenntnisse in der Pflege. Es kann hilfreich sein, Pflegekurse zu besuchen, um besser auf die Anforderungen vorbereitet zu sein.
  • Kommunikation und Unterstützung: Eine gute Kommunikation mit Pflegebedürftigen, anderen Familienmitgliedern und professionellen Pflegekräften ist entscheidend. Es ist wichtig, Unterstützung zu suchen und anzunehmen, sei es durch ambulante Pflegedienste, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.

Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber mit der richtigen Unterstützung und Vorbereitung kann sie auch sehr erfüllend sein.

Sind Sie darauf vorbereitet, einen Angehörigen zu Hause zu pflegen?

Gemeinsame Bereitschaft

Ein entscheidender Aspekt in der Vorbereitung auf die Pflege ist, dass sowohl der Pflegebedürftige als auch der pflegende Angehörige von Anfang an bereit sind, die Pflege gemeinsam anzugehen. Es ist wichtig, dass beide Seiten – nicht nur der pflegende Angehörige – der Pflegesituation voll und ganz zustimmen. So lassen sich mögliche spätere Konflikte vermeiden.

Wahrung von Autonomie und Würde

Ein weiterer zentraler Punkt für ein harmonisches Miteinander ist die Wahrung der Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen. Als pflegender Angehöriger sollten Sie sich fragen, ob Sie bereit sind, Ihrem Angehörigen so viel Autonomie wie möglich zu gewähren, anstatt eine kontrollierende Haltung einzunehmen. Denken Sie daran, dass die Pflege eine Machtposition über einen geschwächten Menschen mit sich bringt. Dies verändert die Lebensumstände sowohl des Pflegebedürftigen als auch der pflegenden Person erheblich.

Der richtige Umgang mit der Ernährung: So fördern Sie das Wohlbefinden

Der richtige Umgang mit der Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden von pflegebedürftigen Angehörigen. Eine ausgewogene und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Ernährung kann nicht nur die Gesundheit fördern, sondern auch die Lebensqualität erheblich verbessern.

Beachten Sie Vorlieben und Gewohnheiten

Es ist wichtig, dass Ihre pflegebedürftigen Angehörigen weiterhin Speisen genießen können, die ihnen schon immer geschmeckt haben. Dies schafft Vertrautheit und Freude im Alltag. Auch kleine kulinarische Freuden können das Wohlbefinden und die Stimmung positiv beeinflussen.

Anpassung an gesundheitliche Bedürfnisse

Bei bestimmten Erkrankungen, wie Diabete, müssen Sie jedoch die Ernährungsempfehlungen des Arztes beachten. Eine angepasste Ernährung kann helfen, Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Hierbei sollten Sie eng mit dem behandelnden Arzt zusammenarbeiten, um die bestmögliche Ernährung sicherzustellen.

Vorausschauende Speiseplanung

Gemeinsame Speiseplanung ist ein wichtiger Aspekt der Pflege. Indem Sie den Pflegebedürftigen in die Auswahl und Planung der Mahlzeiten einbeziehen, fördern Sie seine Autonomie und steigern die Vorfreude auf das Essen. Eine gut geplante Ernährung, die auf die Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt ist, trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei.

Gemeinsame Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre

Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch ein sozialer Akt. Nehmen Sie die Mahlzeiten, wenn möglich, gemeinsam und in einer ruhigen Atmosphäre ein. Dies stärkt die sozialen Bindungen und sorgt für eine angenehme, stressfreie Umgebung, die das Essen noch genussvoller macht.

Indem Sie auf diese Aspekte achten, können Sie das Wohlbefinden Ihrer pflegebedürftigen Angehörigen durch die richtige Ernährung maßgeblich fördern.

Bewegung in der Pflege: Wie Sie Ihren Angehörigen mobilisieren

Mobil, eingeschränkt, beweglich oder bettlägerig: Was trifft auf Ihren Angehörigen zu?

Wenn Ihr Angehöriger die folgenden Aktivitäten eigenständig ausführen kann, gilt er als mobil:

  • die Position im Bett ändern, z. B. vom Rücken auf die Seite (Lagewechsel),
  • sich im Bett aufsetzen,
  • aus dem Bett aufstehen,
  • den Körper bewegen (z. B. Arme und Beine),
  • gehen usw.

Was sollte ich bei der Mobilisation in der Pflege beachten?

Achten Sie bei der Mobilisation und den dazugehörigen Übungen auf folgende Aspekte:

Sicherheit gewährleisten

Verwendet Ihr Angehöriger körpernahe Hilfsmittel wie Katheter oder Sonden? Sichern Sie diese vor jeder Bewegungseinheit so, dass sie die Übungen nicht behindern.

Gesundheitszustand berücksichtigen

Hat Ihr Angehöriger kürzlich eine Operation hinter sich oder leidet er an einer akuten Erkrankung? Nach einer Herzoperation sollte beispielsweise nur minimale Belastung auf den Organismus ausgeübt werden. Klären Sie mit dem behandelnden Arzt, welche Bewegungen und in welcher Intensität diese möglich sind.

Tipp: Bei bestehenden Kontrakturen ziehen Sie am besten einen Physiotherapeuten hinzu. Lassen Sie sich zeigen, welche Bewegungen für den Pflegebedürftigen geeignet und wichtig sind.

Angenehme Atmosphäre schaffen

Gehen Sie mit einer positiven Einstellung an die Mobilisation heran, da sich dies auch auf Ihren Angehörigen überträgt. Sprechen Sie während der Übungen viel mit ihm und fragen Sie nach: “Was empfindest du als angenehm?” “Verursacht eine bestimmte Bewegung Schmerzen?” Ist ein Gespräch nicht möglich, achten Sie auf seine Reaktionen und Mimik.

Tipp: Es ist normal, dass Sie manchmal erschöpft oder gereizt sind. Anerkennen Sie sich selbst dafür, dass Sie viel Zeit und Geduld für Ihren Angehörigen aufbringen. Ein liebevoller Umgang mit sich selbst als Pflegeperson ist wichtig, um langfristig Ihre Aufgabe bewältigen zu können.

Welche Hilfsmittel zur Mobilisation gibt es?

Hilfsmittel zur Mobilisation in der Pflege sind unverzichtbar. Sie erleichtern Ihren Angehörigen, besonders bei Bettlägerigkeit, alltägliche Bewegungen und reduzieren gleichzeitig Ihren eigenen Kraftaufwand. Hier einige Beispiele:

  • Aufsteh- und Umsetzhilfen
  • Anti-Rutsch-Matten (insbesondere zur Mobilisation aus dem Bett)
  • Badewannenlift
  • Verstellbares Pflegebett

Um Ihren pflegebedürftigen Angehörigen zu mobilisieren, sollten Sie ihn zu eigenständiger Bewegung und regelmäßiger körperlicher Aktivität ermutigen. Beginnen Sie mit der Beurteilung der körperlichen Fähigkeiten und schaffen Sie eine sichere Umgebung für Bewegung. Nutzen Sie einfache Übungen oder tägliche Aufgaben wie Gehen, Dehnen oder das Umsetzen vom Bett auf einen Stuhl, um die Mobilität zu erhalten. Eine konsequente Mobilisierung hilft, Komplikationen wie Muskelversteifungen zu vermeiden und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. Passen Sie die Aktivitäten immer an die spezifischen Bedürfnisse des Patienten an und lassen Sie sich von medizinischem Fachpersonal beraten.

Unterstützung bei der Körperpflege: So helfen Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen

Die Körperpflege ist ein zentraler Aspekt der Pflege und trägt wesentlich zum Wohlbefinden Ihrer Angehörigen bei. Doch wie können Sie dabei bestmöglich unterstützen? Hier einige Tipps:

Vorbereitung ist alles

Stellen Sie sicher, dass alle benötigten Utensilien wie Handtücher, Waschutensilien und frische Kleidung griffbereit sind, bevor Sie mit der Pflege beginnen. Dies vermeidet Unterbrechungen und erleichtert den Prozess.

Kommunikation ist das Wichtigste

Sprechen Sie während der Pflege mit Ihrem Angehörigen. Erklären Sie, was Sie tun, und fragen Sie regelmäßig, ob alles in Ordnung ist. Dies gibt Sicherheit und fördert ein Gefühl der Kontrolle.

Bewegung fördern

Ermutigen Sie Ihren Angehörigen, so viel wie möglich selbst zu machen, um seine Eigenständigkeit zu bewahren. Unterstützen Sie ihn dabei, sich z. B. selbst das Gesicht zu waschen oder die Zähne zu putzen, falls dies noch möglich ist.

Auf Bedürfnisse eingehen

Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse. Achten Sie darauf, welche Vorlieben Ihr Angehöriger bei der Körperpflege hat, wie z. B. eine bestimmte Wassertemperatur oder bevorzugte Pflegeprodukte.

Richtige Hilfsmittel verwenden

Nutzen Sie Hilfsmittel wie Duschstühle, Haltegriffe oder rutschfeste Matten, um die Sicherheit zu gewährleisten und den Pflegeprozess zu erleichtern.

Geduld und Ruhe bewahren

Körperpflege kann Zeit in Anspruch nehmen, besonders wenn Ihr Angehöriger körperlich eingeschränkt ist. Nehmen Sie sich die nötige Zeit und gehen Sie behutsam vor.

Die Unterstützung bei der Körperpflege erfordert Einfühlungsvermögen, Geduld und Respekt. Mit einer positiven Einstellung und der richtigen Vorbereitung können Sie dazu beitragen, dass Ihr Angehöriger sich gepflegt und wohl fühlt.

Kommunikation in der Pflege: Wichtige Tipps für den Austausch während der Pflegezeiten

Gute Kommunikation ist entscheidend für eine erfolgreiche Pflege und trägt maßgeblich zum Wohlbefinden Ihres Angehörigen bei. Hier sind einige wesentliche Tipps für den Austausch während der Pflegezeiten:

Einfühlsame Ansprache

Sprechen Sie ruhig und freundlich mit Ihren Angehörigen. Achten Sie auf einen respektvollen Ton und vermeiden Sie es, über ihn hinweg zu sprechen, auch wenn er Schwierigkeiten hat, verbal zu reagieren. Ihre Worte sollten beruhigend und unterstützend sein.

Klarheit und Einfachheit

Verwenden Sie eine einfache und klare Sprache, um Missverständnisse zu vermeiden. Kürzen Sie Sätze, sprechen Sie langsam und deutlich und wiederholen Sie Informationen, wenn nötig.

Aktives Zuhören

Zeigen Sie Interesse und Aufmerksamkeit, wenn Ihr Angehöriger spricht. Bestätigen Sie, was er sagt, und reagieren Sie empathisch auf seine Bedürfnisse und Wünsche. Aktives Zuhören fördert ein Gefühl der Wertschätzung und stärkt die Beziehung.

Einbeziehung in Gespräche

Beziehen Sie Ihren Angehörigen aktiv in Gespräche ein, auch wenn er Schwierigkeiten hat, sich verbal auszudrücken. Dies kann durch einfache Fragen, nonverbale Kommunikation oder das Einbeziehen von Mimik und Gestik geschehen.

Nonverbale Kommunikation nutzen

Achten Sie auf nonverbale Signale wie Körpersprache, Mimik und Augenkontakt. Diese können wichtige Informationen über den emotionalen Zustand und das Wohlbefinden Ihres Angehörigen liefern.

Regelmäßige Rückmeldungen

Fragen Sie regelmäßig nach, wie sich Ihr Angehöriger fühlt und ob es etwas gibt, das er ändern möchte. Dies zeigt, dass Sie seine Meinung respektieren und bereit sind, Anpassungen vorzunehmen, um seine Bedürfnisse besser zu erfüllen.

Emotionale Unterstützung bieten

Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll, besonders in schwierigen Momenten. Ihre emotionale Unterstützung kann dazu beitragen, Ängste und Unsicherheiten zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Geduld üben

Pflegezeiten können herausfordernd sein, besonders wenn die Kommunikation erschwert ist. Haben Sie Geduld und bleiben Sie ruhig, auch wenn der Austausch schwieriger als erwartet ist.

Durch eine offene, respektvolle und einfühlsame Kommunikation können Sie die Pflegequalität verbessern und das Vertrauen sowie die Zufriedenheit Ihres Angehörigen stärken.

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